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Wüsten sind Orte, an denen Menschen gar nicht oder nur sehr schwer leben können. Entweder ist es dort extrem trocken oder unheimlich kalt. Sand-Wüsten wie die Sahara breiten sich seit vielen Jahren immer weiter aus. Selbst in Europa könnten bald neue Wüsten entstehen. Deshalb haben die Vereinten Nationen Alarm geschlagen und das Jahr 2006 zum "Jahr der Wüstenbildung" erklärt.

Etwa ein Drittel aller landwirtschaftlich nutzbaren Flächen der Erde veröden nach und nach. In diesen Regionen können die Bauern immer weniger Früchte und Getreide von ihren Feldern ernten, und Viehherden finden dort nicht mehr genug Gras. Wenn die Menschen in diesen Gebieten nicht mehr leben können, verlassen sie ihre Heimat und ziehen oft in die nächste große Stadt. Ihre einstigen Felder veröden danach vollständig. Wenn sich Wüsten bilden oder ausbreiten, sprechen Wissenschaftler von "Desertifikation".

Über eine Milliarde Menschen in vielen Teilen der Welt sind davon betroffen. Am schnellsten breiten sich die Wüsten in Afrika aus. Von Algerien im Norden über die Sahelzone bis nach Botswana im Süden verlieren jeden Tag viele Menschen den Kampf gegen die Sahara. Auch in Asien kennt man dieses Problem. Betroffen sind dort vor allem Kasachstan und Usbekistan in Zentralasien, China und die Mongolei in Ostasien sowie die ganze arabischen Halbinsel.
Sich ausbreitende Wüsten gibt es auch in Südamerika, zum Beispiel im Nordosten Brasiliens, ganz in der Nähe des Regenwaldes. Und selbst Europa ist bedroht. In Spanien, Portugal und Griechenland gibt es Landstriche, in denen in den vergangenen Jahren kaum ein Tropfen Regen gefallen ist. Dort könnten sich bald auch Wüsten bilden.

Warum breiten sich Wüsten aus?

Helles Köpfchen hat im deutschen Ministerium für Entwicklungs-Hilfe nachgefragt, was der Grund dafür ist, dass sich Wüsten ausbreiten. "Es gibt nicht nur einen einzigen Grund", erklärte Ralf Wyrwinski, "an jedem Ort sind viele verschiedene Ursachen zusammen dafür verantwortlich".

Natürlich spiele der Klimawandel eine wichtige Rolle. Da sich die Erdatmosphäre immer weiter erwärme, falle in manchen Gegenden, in denen schon früher nur wenig Regen fiel, nun jahrelang fast kein Tropfen Wasser mehr. Dadurch trocknen mit der Zeit die Flüsse und Seen aus und das Grundwasser sinke immer weiter ab. Viele Wissenschaftler sind heute der Ansicht, dass der Klimawandel zum Teil ein natürlicher Prozess ist, den es auch ohne den Menschen geben würde. Dennoch verstärke der Mensch durch die Industrialisierung und die von ihm produzierten Treibhaus-Gase diesen Vorgang. Das bedeutet, dass auch unsere Gesellschaft Schuld daran ist, dass es auf der Erde immer heißer wird.

Der Mensch hilft der Wüste

Die Menschen in den betroffenen Regionen haben zwar meist kaum etwas zur Erd-Erwärmung beigetragen, aber auch sie sind oft mitverantwortlich dafür, dass sich Wüsten ausbreiten und ihre Landschaften veröden. So ziehen Hirten oft mit viel zu großen Viehherden durch die trockenen Steppen-Landschaften. Ihre Kühe fressen das ganze Gras bis zur Wurzel ab. Die oberste Bodenschicht, in der die Pflanzen ihre Nährstoffe finden, wird von den Hufen aufgewühlt und vom Wind fort getragen. So können große Viehherden kahl gefressenes, unfruchtbares Land hinterlassen. Die Wüste kann sich dadurch ungehindert ausbreiten.

Auch viele Bauern machen Fehler, weil sie es nicht besser wissen. Sie bauen zum Beispiel Pflanzen an, die zu viel Wasser brauchen. Oder sie pflanzen ihr Gemüse direkt am Hang. Nach der Ernte wird die oberste, fruchtbare Bodenschicht vom nächsten Regen weggeschwemmt. Ein weiteres Problem ist, dass zu stark gedüngt wird und zu viele chemische Schädlings-Bekämpfungsmittel eingesetzt werden. Dadurch sterben nicht nur Schädlinge, sondern auch "Nutzlinge" wie zum Beispiel Regenwürmer. Auf diese Weise wird der Boden immer schlechter, weshalb die Bauern Jahr für Jahr noch mehr Chemie einsetzen - und die Lage dadurch weiter verschlimmern. Irgendwann ist der Boden dann völlig "tot" und das Gebiet reif für die Wüste.

Außerdem heizen und kochen die Menschen in vielen ärmeren Regionen der Erde mit Feuerholz. In der Nähe von Städten und größeren Siedlungen ist der Bedarf an Holz so groß, dass dort kaum noch ein Baum steht. Auch hier hat die Wüste leichtes Spiel.

Was kann man tun?

Um die Wüsten zu stoppen, müssen die Menschen lernen, verantwortungsvoller mit der Umwelt umzugehen. Sie müssen erkennen, dass nur Pflanzen die "Desertifikation" aufhalten können. Dafür brauchen die Einwohner zunächst einmal andere Möglichkeiten, als ihre Öfen mit Holz zu befeuern. Sie können zum Beispiel getrocknete Kuhfladen verbrennen oder - noch besser - Solarspiegel verwenden. Mit ihnen lässt sich die Sonnenwärme nutzen, um zum Beispiel Wasser zum Kochen zu bringen.

Erst wenn die Menschen in den betroffenen Gebieten erkannt haben, dass sie auch ohne Holz kochen und heizen können, macht es Sinn, wieder Gräser, Büsche und Bäume anzupflanzen. Sonst würde es nur wenige Tage dauern, bis die frisch gepflanzten Bäume wieder in Rauch aufgegangen wären.

Natürliche Pflanzen statt Mono-Kulturen

Bauern in den trockenen Regionen der Erde sollten nur noch Pflanzen anbauen, die mit möglichst wenig Wasser auskommen. Zudem sollten sie ihre Felder als Terrassen anlegen, damit die Erde nach der Ernte nicht fort gespült werden kann. Zusätzlich können klug angelegte Bewässerungs-Gräben das kostbare Wasser so auf die Felder leiten, dass möglichst wenig davon verdunstet.

Wichtig ist auch, dafür zu sorgen, dass auf jedem Feld verschiedene Pflanzen angebaut werden. Denn auch Monokulturen, bei der auf vielen Quadrat-Kilometern nur eine einzige Pflanze angebaut wird, schaden der Umwelt. Durch viele verschiedene Saaten könnten die Bauern mehrere Male im Jahr ernten. Dadurch wird der brach liegende Boden von den stehen gebliebenen Pflanzen und deren Wurzeln geschützt und festgehalten, sodass er nicht so leicht vom Wind oder Regen fort getragen werden kann. Außerdem sind die Felder weniger anfällig für Schädlinge. Die Bauern könnten auf chemische Mittel verzichten und der Boden könnte sich wieder erholen.

Europa ist mitverantwortlich für die afrikanischen Wüsten

Jeder Mensch muss mithelfen, die Wüsten zu stoppen. Dabei spielt es keine Rolle, ob er in einem reichen oder in einem armen Land wohnt. Wir müssen endlich weniger Treibhausgase produzieren. Dazu kann jeder etwas beitragen, zum Beispiel indem er kleine Besorgungen mit dem Fahrrad erledigt.

Außerdem müssen die reichen Länder ihre Märkte auch für Getreide, Obst und Gemüse aus Afrika und Asien öffnen. Die Europäische Union und die USA tun derzeit das genaue Gegenteil. Sie verlangen hohe Zölle, so dass Waren aus anderen Kontinenten so teuer werden können, dass sie hier niemand kaufen will. Und sie unterstützen die Bauern aus ihren eigenen Ländern zusätzlich mit sehr vielen Zuschüssen.

Wüstenbildung ist eines der größten Umwelt-Probleme

Diese "Subventionen" (staatliche Geld-Unterstützungen) machen europäisches und us-amerikanisches Obst und Gemüse künstlich billig. Weil zudem viel mehr produziert wird, als die Menschen hier benötigen, wird der Rest oft an die ärmeren afrikanischen und asiatischen Länder verkauft. Dort wird es dann so billig angeboten, dass die einheimischen Bauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen können. Ihnen bleibt oft nichts anderes übrig, als ihren Beruf aufzugeben und ihr Land der Wüste zu überlassen.

Die Wüstenbildung ist ein genauso ernst zu nehmendes Umwelt-Problem wie die Abholzung der Regenwälder und das Aussterben unzähliger Tierarten. Deshalb haben die Vereinten Nationen das Jahr 2006 zum "Jahr der Wüstenbildung" erklärt. Hoffentlich werden bis zum 31. Dezember mehr Menschen verstehen, dass alle dazu beitragen können, dieses Problem zu lösen.

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